Pressemitteilung

Carabinero G-3

Carabinero G-3

Bild: Amnesty International

24. Juni 2020

Chile: Amnesty International veröffentlicht Belege für mögliche Verschleierung von Informationen durch die nationale Polizei

( übersetzt durch die Chile Koordinationsgruppe von amnesty international – verbindlich ist das Original  )

Amnesty International hat heute neue Beweise veröffentlicht, aus denen hervorgeht, dass der Oberstleutnant der Sonderpolizei der Carabineros, gekennzeichnet durch den Code „G-3“, bei den Protesten Ende 2019 mehrfach sein mit Gummigranulatkugeln geladenes Gewehr missbräuchlich gegen Demonstranten eingesetzt hat.

Anfang Mai wurde berichtet, dass die chilenische Polizei, Carabineros, versucht hatte, die Anwesenheit des Offiziers „G-3“ während der Operation, bei der der Student Gustavo Gatica erblindet war, zu verheimlichen. Bei „G-3“ handelt es sich um einen „Stellvertretenden Präfekten der Dienststelle 2“, einen hochrangigen Kommandeur der Spezialeinheiten, der im „Plana Mayor Especial“ Chiles sitzt, einem internen Beratungsteam, das in Konfliktzeiten oder bei unvorhergesehenen Ereignissen nach eigenen Statuten zusammengestellt wird.

„Es ist inakzeptabel, dass Kommandeure der Carabineros hochrangigen Offizieren wie ‚G-3‘ erlauben, ihre Waffen konsequent zu missbrauchen. Indem sie keine klaren Maßnahmen ergriffen haben, um diesen stellvertretenden Präfekten und damit seine Untergebenen daran zu hindern, ohne Einhaltung interner Protokolle und internationaler Vorschriften zu operieren, haben die Kommandeure der Carabineros einer der bedauerlichsten Episoden in der jüngeren chilenischen Geschichte Vorschub geleistet, in der Gustavo Gatica im Alter von nur 21 Jahren bei der Teilnahme an einer Protestaktion durch schwere Gummigranulatkugeln erblindete“, sagte Erika Guevara-Rosas, Amerika-Direktorin bei Amnesty International.

„Noch alarmierender ist, dass die Carabineros versucht haben, die Anwesenheit von ‚G-3‘ am Tatort, an dem Gustavo Gatica schwer verletzt wurde, zu verheimlichen, da seine Aussage nicht einmal für die Fallakte aufgenommen wurde, obwohl er einer der Befehlshaber der Operation war und noch am selben Tag 170 Schüsse mit jeweils 12 Gummigranulatkugeln verschossen hat.

Amnesty International nahm auch mit Besorgnis den Abschluss der internen Untersuchung der Carabineros vom 9. Dezember 2019 zur Kenntnis, der darauf hinweist, dass die Verletzungen von Gustavo Gatica von Demonstranten verursacht wurden. Die Polizei muss alle Informationen liefern, die die Staatsanwaltschaft benötigt, um den Sachverhalt aufzuklären und ihrerseits eine strenge und gründliche Untersuchung zur Klärung der Wahrheit durchführen und gegebenenfalls die entsprechenden Sanktionen anwenden.

„Die Behauptung, dass die Demonstranten selbst die Verletzungen von Gustavo Gatica verursacht haben könnten, ist nicht nur böswillig, sondern zeigt auch, dass die Carabineros nicht bereit sind, eine ernsthafte interne Untersuchung durchzuführen. Anstatt die Bevölkerung zu schützen, scheinen sie eher sich selbst zu schützen“, sagte Erika Guevara-Rosas.

Amnesty International fordert die chilenische Staatsanwaltschaft auf, die Ermittlungen gegen „G-3“ und diejenigen Kommandeure fortzusetzen, die diesen Offizier an willkürlichen Operationen hätten hindern können und sollen, sowie gegen die Offiziere, die möglicherweise an der Behinderung und Vertuschung beteiligt waren. Die Verantwortung der Befehlskette für das Versäumnis zu handeln sollte gebührend untersucht werden.

Für weitere Informationen oder um ein Interview zu vereinbaren, wenden Sie sich bitte an Duncan Tucker: +52 55 4848 8266, duncan.tucker@amnesty.org

25. Juni 2020