Ein Jahr nach dem Anschlag auf Yendri Velázquez und Luis Peche in Kolumbien – immer noch keine Gerechtigkeit für venezolanische Menschenrechtsaktivisten

Am 13. Oktober 2025 wurden die venezolanischen Menschenrechtsaktivisten Yendri Velázquez und Luis Peche vor ihrem Wohnhaus in Bogotá angegriffen. Unbekannte gaben aus einem fahrenden Auto mehrere Schüsse auf die beiden ab. Yendri und Luis überlebten den Anschlag zwar, mussten sich aber mehreren Operationen und einer anschließenden Reha-Maßnahme unterziehen.

Beide Aktivisten waren 2024 vor der Verfolgung der venezolanischen Behörden geflohen und hatten Schutz in Kolumbien gesucht. Obwohl die Ermittlungsbehörden in Kolumbien Hinweise dafür fanden, dass es sich um ein in Auftrag gegebenes Verbrechen handelte, scheinen sie den Anschlag eher als „allgemeines Verbrechen“ oder als Auseinandersetzung zwischen Nachbarn einzustufen. Ähnlich äußerte sich unmittelbar nach dem Verbrechen der venezolanische Minister für Inneres und Justiz, Diosdado Cabello, der den Angriff im venezolanischen Fernsehen als Beziehungstat darstellte.

Es spricht jedoch vieles dafür, dass es sich um einen Akt grenzüberschreitender Repression handelt. Dieser Ermittlungsansatz scheint aber von den kolumbianischen Behörden gar nicht verfolgt zu werden. Viele venezolanische Menschenrechtsaktivist*innen, die in Kolumbien Schutz gesucht hatten, haben das Land inzwischen wieder verlassen, aus Furcht, Opfer eines ähnlichen Anschlags zu werden.

Ein Jahr nach dem Anschlag fordern wir die kolumbianische Generalstaatsanwältin dazu auf, die zügige und effiziente Aufklärung des Verbrechens zu gewährleisten. Ebenso fordern wir dazu auf, dass ernsthaft dem Verdacht nachgegangen wird, dass es sich bei dem Angriff auf einen Anschlag auf Verteidiger*innen von Menschenrechten und einen Akt transnationaler Gewalt handelt!

Hintergrund:

Luis Peche floh 2024 aus Venezuela, als er erfuhr, dass er wegen seiner Aktivitäten zur Verteidigung ziviler und politischer Rechte gesucht wurde. Er sollte verhaftet werden und wäre vermutlich Opfer von Verschwindenlassen geworden, wie es in Venezuela zahlreichen anderen Menschen widerfahren ist und wie es von Amnesty International in Berichten wie in Detentions without a trace: the crime of enforced disappearance in Venezuela dokumentiert und angeprangert wurde.

Yendri Velázquez floh ebenfalls 2024, nachdem er wegen seines Einsatzes für die Menschenrechte direkt verfolgt wurde. Er gründete die venezolanische Beobachtungsstelle für Gewalt gegen Menschen, die der LGBTIQ+ Gemeinschaft angehören. Er war nach Genf eingeladen worden, um eine Rede vor dem UN-Ausschuss für die Beseitigung der Rassendiskriminierung zu halten. Allerdings hinderten ihn Geheimdienstmitarbeiter*innen der venezolanischen Regierung an der Ausreise, hielten ihn mehrere Stunden lang fest, verhörten ihn unter Folter und beschlagnahmten seinen Reisepass.

Aus diesen Gründen suchten Yendri und Luis ab 2024 Schutz in Kolumbien, wo sie ihre Menschenrechtsarbeit fortsetzten. Sie fühlten sich dort sicher, bis am Nachmittag des 13. Oktober 2025 bewaffnete Männer sie aus einem Auto heraus mit mehreren Schüssen verletzten und beinahe töteten. Sie wurden nicht bestohlen. Das Auto und die Waffen, die bei dem Angriff benutzt worden waren, wurden nur wenige Stunden später von den kolumbianischen Behörden gefunden.

Trotz der Beweise, dass es sich um einen geplanten Angriff auf Menschenrechtsaktivisten handelte, der von jemandem mit Geld und Macht in Auftrag gegeben worden sein muss, sind die Fortschritte der Generalstaatsanwaltschaft ein Jahr nach dem Angriff äußerst begrenzt.

Der Angriff auf Yendri und Luis hat auch Folgen für andere venezolanische Menschenrechtsaktivist*innen. Viele von ihnen, die bis dahin geglaubt hatten, sie könnten ihre Arbeit sicher von Kolumbien aus fortsetzen, haben inzwischen das Land verlassen.

Bitte schicken Sie Briefe an

Generalstaatsanwältin
Luz Adriana Camargo
Generalstaatsanwaltschaft der Republik Kolumbien
Avenida Calle 24 No. 52 – 01
Bogota DC
Kolumbien
E-Mail:
direccion.derechoshumanos@fiscalia.gov.co

und/oder an die kolumbianische Botschaft

BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
I. E. Frau Yadir Salazar Mejia
Taubenstr. 23
10117 Berlin
E-Mail: ealemania@cancilleria.gov.co

Dazu gibt es hier Musterbriefe in deutsch und spanisch